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Welchen Rhythmus hat das Leben?

Liebe IKT-Freundin, lieber IKT-Freund!

Die sonnigen Tage, die wir Ende März geniessen durften, haben uns auf zwei Ebenen berührt: Zum einen haben wir natürlich die Wärme, die Helligkeit und den frischen Duft in uns aufnehmen dürfen. Zum anderen haben wir uns bei diesem scheinbaren Frühlingsbeginn gefragt, warum die Bäume sich noch so kahl geben und die Natur wohl doch noch nicht bereit für den Lenz ist. Wahrscheinlich hängt es mit der Wetterlage zu tun. Der Februar und der März waren verhältnismässig trocken, wodurch der Jahreszeitenrhythmus noch nicht dort ist, wo wir ihn erwartet haben. Dies löst bei uns eine weitere Frage aus: Was hat es mit den Rhythmen eigentlich auf sich und was bedeuten sie für unser Leben? Wir haben uns des Themas in diesem Artikel angenommen.

Was steckt nun hinter dem Wort Rhythmus, das durch seine zwei stummen Hs selbst gestandene Rechtschreibprofis hin und wieder zum Blick ins Wörterbuch nötigt?

An sich bezeichnet Rhythmus das periodische Wiederholen einer Aktion oder eines Vorgangs. Dies kann in unterschiedlichen Kontexten auch ganz unterschiedlich ausgelegt werden. Eine erste Assoziation bieten Musik und Tanz. Dort ist Rhythmus die Grundordnung der Noten und der Tanzschritte. Takte und Schrittfolgen geben uns vor, wie wir singen und uns bewegen können. In der Biologie finden sich auch Rhythmen wieder. Dies kann durch die Natur vorgegeben sein, denn bei jeder Sonnenumkreisung gibt es den Zeitpunkt, an dem die Blätter beginnen zu grünen. Auch die Mondphasen und das Hell- und Dunkelwerden bei jeder Erddrehung folgen einem Rhythmus. Dann gibt es die Rhythmen, die wir Menschen körperlich erleben: den Schlaf, den Herzschlag, die Periode, die Atmung. Und dann existieren auch noch diese menschgemachten Rhythmen wie Zeit, der Kalender, der Tagesrhythmus, der Arbeitstag, Essenszeiten und so weiter.

Besonders die zuletzt genannten Rhythmen verdienen einen besonderen Blick. Wir Menschen nutzen sie, um unserem Leben eine Ordnung zu geben. Wir erschaffen Orientierbarkeit und nutzen sie dann zur Orientierung. Natürlich (also auch im Wortsinne «natürlich») werden wir jeden Abend müde und gehen schlafen. Aber erst der künstliche, einstudierte Lebensrhythmus, dem wir folgen, festigt unser Verhalten. Dabei wissen wir auch, dass ein Rhythmus funktionieren und fortlaufen kann, oder dass er gestört werden kann. Wie oft hört man von einem gestörten Schlafrhythmus oder einem gestörten Essrhythmus? Da wir immer von einem funktionierenden Rhythmus als Norm ausgehen, stellt die Störung eine Ausnahme dar – obwohl sich die Ausnahmen häufen können!

Das lässt sich auch auf das Leben jedes einzelnen Menschen beziehen: Jeder und jede lebt nach individuellen Rhythmen, was sich auf den Alltag, auf die Arbeit, auf das Schlafverhalten oder auf die Essgewohnheiten beziehen kann. Dabei ist es eine interessante Beobachtung, dass diese Rhythmen Kontinuität und Stabilität vermitteln, während sie selbst veränderlich und anpassbar sind – ein paradoxes Zusammenspiel von Statik und Dynamik. Wir selbst sind also dazu in der Lage, unsere Rhythmen zu ändern, wir tun dies besonders gerne in der Verbindung mit Vorsätzen: Früher ins Bett gehen, öfter und dafür weniger essen, häufiger Sport treiben und lesen.

Hier stellt sich die Frage: Gibt es einen perfekten Rhythmus? Und wenn ja, woran liesse sich dieser messen? Wie würde mein Leben aussehen, wenn ich es ganz nach meinen eigenen Bedürfnissen gestalten könnte? Wie würde ich schlafen, essen, arbeiten – ganz allgemein: wie würde ich leben –, wenn ich alle Freiheiten zur Gestaltung hätte? Ohnehin, würde ich überhaupt noch arbeiten? Und würde ich bis drei Uhr nachts wach bleiben und bis zwölf Uhr mittags schlafen? Würde ich essen, wenn ich Hunger habe? Damit verbunden wäre eine weitere Frage: Wäre ein Leben ohne Rhythmus überhaupt gesund und erfüllend für mich? Würde ich vielleicht in Unzufriedenheit und ins Ungesunde verfallen? Nein, denn ein perfekter Rhythmus würde mir genau die Struktur geben, die ich für mich und mein Leben brauche. Jedoch ist es schwierig, in einer durch-rhythmisierten Welt den eigenen optimalen Lebensrhythmus zu erkennen, und noch schwieriger, ihn umzusetzen.

Was wäre denn dafür nötig, dass wir unseren perfekten Rhythmus finden? Der Weg führt über die Veränderung der bereits bestehenden Rhythmen. Diese sind jedoch oft gesellschaftlich etabliert und nur schwierig aufzubrechen. Eigentlich hält mich nichts davon ab, um acht Uhr schlafen zu gehen und um vier Uhr aufzustehen – aber dann wäre mein Rhythmus nicht mehr mit dem meiner Mitmenschen synchron, und ein bisschen soziales Leben möchten wir bei all der Veränderung doch nicht missen. Zumal ist es besonders wichtig, dass man sich bei der Umstellung der Gewohnheiten und Rhythmen der eigenen Selbstwirksamkeit bewusst ist. Wir haben die Macht, unser Leben nach unseren Vorstellungen zu gestalten, und wir haben das Recht, hiervon Gebrauch zu machen.

Genau das ist auch die Anschauung, die die Komplementärtherapie vertritt: Der KT ist daran gelegen, Selbstwirksamkeit und Selbstermächtigung zu vermitteln. Diese sind es, die uns dazu befähigen, unsere Rhythmen an unsere Lebensumstände anzupassen. Selbst wenn es diesen einen «perfekten» Rhythmus nicht gibt, können wir uns ihm dennoch annähern. Dazu haben wir die richtigen Mittel und dazu werden wir durch die KT ermutigt.

Wir möchten diesen Artikel beenden mit dem Wunsch, dass du den richtigen Rhythmus für dich und dein Leben findest. Passe deine Gewohnheiten so an, dass auch deine anderen Rhythmen wie der Herzschlag und der Schlaf davon profitieren werden. Wenn du noch nicht bereit für eine Rhythmusänderung bist oder nicht die richtigen Mittel dafür hast, dann wünschen wir dir, dass der innerliche rhythmische Klang dich erreicht und du neugierig mit dem Wort «Selbstwirksamkeit» schwingst.

Liebe Grüsse und einen rhythmisch-beschwingten Tag
Claudia Per