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Die Leere als Lehre

Liebe IKT-Freundin, lieber IKT-Freund!

Seit anfangs Jahr teile ich mir die Institutsleitung zusammen mit zwei weiteren Frauen. Eine der Beiden, Christine Steiner, nimmt euch heute mit zum Thema Leere. Passend zum nahenden Frühlingsbeginn.

Mein heutiges Bewusstsein über Leere gründet auf einem wohlwollenden Nährboden. Ich wuchs in einer Umgebung und einem Körper voller Möglichkeiten auf. Mit 35 Jahren war ich jedoch der Erschöpfung nahe. Kann es sein, dass eine mehrheitliche Fülle neue Schöpfung unterdrückt?
Und: kann es sein, dass eine beinahe Leere gesund ist? In diesem Text gehen wir diesen Möglichkeiten nach:


Rückblick:
Noch war da Fülle, aber ich spürte, dass ich diese so nicht halten kann. Mein Körper und Geist fühlten sich wie ein Durchlauferhitzer an. So begann ich, die Fülle zu beobachten und aufzuräumen. Ich schaute hin, entsorgte und verschenkte und ich fühlte hinein in die Geschichten, in die Leichtigkeit. Mein Wohnraum und ich wurden leerer. Ich schätzte diese ansatzweise Leere – sie war neu für mich. In mir formte sich sanft eine paradoxe Klarheit, die mich noch heute zum Lächeln bringt:

Weniger ist mehr.

Die 6 Lehren der Leere

  • BeWEGung
  • Ruhe
  • BeobACHTung
  • NEUgier
  • KreAKTIVITÄT
  • DeMUT

Bewegung

«Das Spiel mit der Bewegung ist gesund.»

Die Leere verändert sich, sobald sie auf einen Körper trifft. Die umgangssprachliche Leere ist die Luft. Diese ist unsichtbar, aber alles andere als nichts. Wir können sie fühlen, riechen und sie bewegt unser Leben.

Wir atmen ein und aus,
bewegen uns von der Leere zur Fülle,
hin und her,
ob tief oder oberflächlich,
ob bewusst oder unbewusst.

Durch diese natürliche Bewegung haben wir also die Möglichkeit, die Extreme der Fülle und der Leere bei jedem Atemzug zu berühren, zu spüren und uns an sie zu gewöhnen. Das sind ganz schön viele Möglichkeiten.

Klar ist trotzdem: Das Dazwischen ist öfters.

Mögliche Bewegungsübung: Atmen + Neugier = bewusste Bewegung

Ruhe oder die Schönheit der Leere

«Die Leere hat Gewicht.»

Heutzutage werden unsere Sinne überdurchschnittlich oft von aussen her bewegt. Es gibt viel zu hören, zu sehen, zu tun und zu riechen. Die Ruhe oder die Stille sind der Gegenpol. Hier beginnt eine mögliche Entdeckungsreise hin zur Leere.

In der Laut-Leere üben wir das Hören. Ein Instrument, ein Hohlkörper verstärkt den Klang durch Vibration. Der Raum ist somit für die Ruhe elementar. Die Leere zwischen zwei Noten gibt dem Klang Raum, und so entsteht Rhythmus. Rhythmen bestimmen die Natur und unsere Körper.

Nicht immer können wir die Räume, in denen wir uns bewegen, mitgestalten. Unser erster Raum jedoch schon. Unser erster Raum ist unser Körper. Unser Körper, der klingt, resoniert und schwingt. Hier gestalten wir (ob bewusst oder unbewusst) mit. Kennen wir das Gefühl der Leere und das Gefühl der Fülle?

Beobachtung

«Die Beobachtung der Extreme hilft uns, den goldenen Mittelweg zu gehen.»

Ob wir tun oder sind, ob wir mögen oder nicht, ob wir schaffen oder ruhen, es sind sich abwechselnde Momente. Erst durch ihre Sequenz entsteht die Verbindung.

Können wir die Fülle der Momente erkennen, wenn wir die Leere beobachten? Üben wir spielerisch die Wahrnehmung von dem, was im Moment ist. Denn aus dem Detail entsteht das Ganze. Aus der Verbundenheit die Komplexität.

Unser Gehirn mag viel wissen, und doch können uns unsere Gedanken ermüden. In unseren diversifizierten und komplexen Systemen gilt die Beobachtungsfähigkeit heutzutage als eine der wichtigsten Führungsressourcen.

Mögliche Gedankenübung: Beobachten – Wertung = radikale Akzeptanz

Neugier

«Sich hin zur Leere wenden ist heute für viele der erste Schritt hin zur goldenen Mitte.»

Denken wir an unsere Vorfahren, ob in der Höhle oder im Labor, der Forschergeist forscht in der noch unbekannten Leere nach Neuem.

Vielleicht können wir sagen, dass eine gewisse Gier nach Neuem ein Grundbedürfnis von uns Menschen ist? Wie wollen wir dieses Bedürfnis befriedigen? Führen wir unser Forschen nach Neuem hin zur Leere, so sind wir auf dem Weg von Akzeptanz und Frieden.

Mögliche neue Übung: Hilfe anbieten + Hilfe annehmen = Neue Erfahrungen

Kreativität

«Die Leere ist empfangend, die Fülle ist gebend.»

Ist Kreativität in der Leere zuhause? Jedenfalls ist sie in etwas oder jemandem drinnen zuhause. Die belanglose Zeit, die Langeweile, ist eine der Quellen von Kreativität. Eine Quelle zeigt sich in ihrem ursprünglichen Ausdruck und kann übersprudeln.

Wir Menschen erschliessen Quellen, wir nutzen sie, wir nähren uns von ihnen. Von ihrer Energie wollen wir etwas haben. Von dieser Kraft wollen wir schöpfen. Damit uns dies gelingt, führen wir oftmals das Übersprudeln der Quelle in eine extra für sie erbaute Struktur. Doch eine Quelle ist verletzlich, beweglich und kraftvoll zugleich. Die Struktur, die wir ihr geben, sollte ebenso beweglich sein, um mit den Veränderungen mitzugehen, ohne sie zu verletzen.

Es lohnt sich, wenn wir den Ursprung der individuellen Kreativität beachten und so die eine oder andere Struktur beweglicher gestalten vermögen.

Mögliche Kraftübung: Erfahrung + Kreativität = Intuition.

Demut

«Gerade für Mutige kann das Leere lebendig werden. Das Viele bleibt oft viel.»

Im Moment, in dem mein Kopf ruhig wird, wenn Gelerntes, Gedachtes sowie Feuriges sich friedlich entspannt,
im Moment, in dem ich mich selbstbestimmt hin zur Leere wende,
im Moment, in dem ich mich klein und doch geborgen fühle,
in dem Moment begegne ich der Demut. Sie ist wie eine Tiefenreinigung, die mich darauffolgend auch in der Fülle klarer sehen lässt.

Die Demut wie auch die Leere haben eine enorme Wirkungskraft, auch wenn wir sie verkennen. Ich kannte beides wenig. Meine ersten Begegnungen waren intensiv körperlich, zwangen mich auf den Boden.

Überrascht lächelte ich, als ich realisierte: «Ich darf jetzt erfrischt aufstehen».

Mögliche Mutübung: Leere + Demut = Samen für Sanftmut

In den IKT-Unterlagen zur Komplementärtherapie fand ich folgendes Zitat von Lao-Tse:

“Der Reifen eines Rades wird gehalten von Speichen, aber die Leere zwischen ihnen ist das Sinnvolle. Aus Ton formt man Gefässe, aber die Leere in ihnen ermöglicht das Füllen der Krüge. Aus Holz zimmert man Türen, aber die Leere in ihnen macht das Haus bewohnbar. Das Sichtbare ist zwar von Nutzen, doch das Wesentliche bleibt unsichtbar.”